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Eine kulturhistorische Rekonstruktion - Die Lesart zur Schaulust

   

CASTAN’S PANOPTICUM, zwischen 1869 und 1922 aktiv nicht nur in Berlin, war eine ständig aktualisierte, thematisch und stofflich breit aufgestellte Dauerausstellung mit stets wechselndem Begleitprogramm, mit diversen Spezialitätenüberraschungen sowie mit zahlreichen Memorabilien - dabei im Kerngeschäft ein qualitativ hervorragendes Wachsfigurenkabinett. Dieses Panopticum stellte mit seinem Ausstellungskonzept, die Menschheit und deren diverse Entwicklungen plastisch, lebensgroß und zeitnahe vorzuführen, ein spezielles bildend-unterhaltsames Medienformat der Kaiserzeit dar.

 

Gründer und Veranstalter waren die Berliner Brüder Gustav und Louis Castan, ausgebildet als Anatom und Bildhauer noch unter der Ägide von J. G. Schadow an der Berliner Kunstakademie. Beide Castans entwickelten mit ihrem universalen Anspruch pionierhaft ein populäres Bildungs- und Unterhaltungsunternehmen, führten es von einem Berliner Unternehmens- zu einem internationalen Medienformat und betrieben seit den 1870er Jahren gezielt europäische Globalisierung als Geschäftsmodell.

 

Akzeptanz und Zuarbeit der Castans reichten für einen kurzen historischen Moment weit über deren unternehmerische Tätigkeit hinaus, denn sie und ihr Atelier wurden Leistungserbringer sowohl für Berliner und internationale Wissenschaftseinrichtungen als auch für europäische Universitäten.

 

Als das dreidimensionale, sinnliche und multimediale Informations- und Unterhaltungsformat CASTAN’S PANOPTICUM nach dem Ersten Weltkrieg europaweit unterging, gerieten einzelne Objekte der millionenfach bestaunten Dauerausstellung in verschiedene öffentliche und private Sammlungen. Spuren und Folgen aus CASTAN’S früher weltbekanntem Institut verbergen sich bis heute in Archiven und Museen, in Literatur, Kunst, Musik, Sprache, Grafik, Malerei, Fotografie und Film.

 

Im Jahr 2020 erschien, abgeschlossen in 35 einzelnen Themenheften, erstmalig eine repräsentative, reich illustrierte gedruckte Gesamtdarstellung dieses historischen plastischen Multimediums, einem Vorgängermedium des in der Technik gründenden zweidimensionalen Medienformats Film und Fernsehen.

Herausgeberin und Autorin ist die Berliner Diplom-Historikerin Angelika Friederici.